Nov 112012
 

Wir, die Arbeiter*innen im Arbeitskampf im IKEA-Zentrallager, schließen uns zusammen mit allen Arbeiter*innen und allen jungen Menschen in diesem Land, die beschließen ihre Würde nicht für eine miserable Arbeit und eine ungewisse und prekäre Zukunft zu opfern.

Seit drei Wochen befinden wir uns im Arbeitskampf und sind überzeugt davon, dass ein Leben zwischen Erpressungen und Angst nicht möglich ist. In diesen Tagen haben wir Solidarität und Unterstützung von vielen anderen Arbeiter*innen jeglicher Art und Herkunft, von Italiener*innen und Migrant*innen erfahren. Von den Kooperativen bis zu den Metallarbeiter*innen, von den Fachkräften aus dem Gesundheitswesen bis zu den Beschäftigten in den öffentlichen Schulen. Von Nord- bis Süditalien, bis hin zu Unterstützungserklärungen, die uns aus unseren Herkunftsländern erreicht haben, haben wir von uns und von eurer Unterstützung reden gehört. Wir haben in umfassendster Weise gesehen, wie sich konkretisiert, was von Beginn unseres Kampfes an unser Leitspruch war: WIR HALTEN ZUSAMMEN! WIR KÄMPFEN SEITE AN SEITE!

Unsere Auseinadnersetzungen haben längst weit über die Mauern unseres Depots in der Emiliga Romagna hinweg Aufsehen erregt – mit den internationalen TV-Sendern, die von unserem Fall Notiz genommen haben, sogar über die Grenzen des Landes hinaus. Wir hätten nie gedacht, dass all das geschehen könnte, was dahingegen jetzt geschieht. Die Momente der Entmutigung überwinden wir mit der unbeschreiblichen Solidarität, die ihr uns entgegenbringt; und wir fühlen uns stärker gegenüber den Giganten, denen wir entgegentreten – auch jetzt wo Kurzarbeit und die Kündigung von mehr als Hundert von uns drohen.

Es scheint unmöglich sich vorzustellen, dass Personen, die sich nie in ihrem Leben kennengelernt haben, die aus diversen Ländern kommen, die in verschiedenen Orten leben, es schaffen am gleichen Strang zu ziehen und die gleiche Sprache zu sprechen. Durch Würde und Willen schaffen wir es, Hindernisse zu überwinden, die zuvor unüberwindbar schienen. Die Sprache der Arbeiter*innen ist überall auf der Welt dieselbe. Es ist nur nötig, dass wir beginnen, uns mitzuteilen, zu teilen, sich zu engagieren, zu kämpfen und sich zu organisieren, um unsere Ansprüche geltend zu machen.

Dies ist das Außergwöhnlichste, das uns je passiert ist. Wir schließen uns mit euch, nahe und ferne Mitstreiter*innen, Arbeiter*innen und Studierende, zusammen. Wir schließen uns zusammen mit den FIAT-Arbeiter*innen in Pomigliano, mit den San Michele-Beschäftigten in Mailand, mit den Angestellten der öffentlichen Schulen,… Wir schließen uns zusammen mit den vielen Jungen und Studierenden, die uns in diesen Wochen unterstützt haben. Danke euch allen, Danke allen gewerkschaftlichen, politischen und sozialen Kräften, die uns in ehrlicher Art und ohne irgendeine Instrumentalisierung ihre Unterstützung gegeben haben.

Was wir heute erhalten, werden wir morgen erwidern. Wir, die IKEA-Arbeiter*innen von Piacenza, werden im gemeinsamen Kampf zur Verteidigung unserer Arbeitsbedingungen und gegen dieses System, das auf der Ausbeutung einer Minderheit angesichts der unendlichen Masse an Arbeitskraft auf dieser Welt basiert, an der Seite unserer Klassenschwestern und -brüder sein.

… WIR HALTEN ZUSAMMEN! WIR KÄMPFEN SEITE AN SEITE!

SI.COBAS-Arbeiter*innen, IKEA-Zentrallager
Piacenza, 9.11.2012

 

Anm.d.Ü.: S.I. COBAS = sindacato intercategoriale cobas lavoratori autorganizzati [Berufsgruppen übergreifende Gewerkschaft selbstorganisierter Arbeiter*innen]

Quelle: http://clashcityworkers.org/index.php?option=com_content&view=article&id=568:piacenza-operai-in-lotta-ikea-lettera, Text veröffentlicht am 11.11.2012