Jan 092013
 

Einigung mit dem Konsortium Cgs in Piacenza betreffend die neun Arbeiter*innen, die vor zwei Monaten nach Streikposten und Zusammenstößen mit der Polizei vom Dienst suspendiert wurden. Die Gewerkschaft SinCobas: “Wir wollen die Unterschrift sehen, wir halten die Stellung vor dem Betrieb.”

Text von Alessandro Delfanti, in: il Fatto Quotidiano, 8.1.2013

Nach Monaten der Blockaden, Streikposten, Prügeleinsätze, Anzeigen und Verhandlungen scheint der Arbeitskampf der Lagerarbeiter*innen von Ikea bei Piacenza zu einem Ende zu kommen. Gestern Abend wurde im Zuge eines Treffens im Rathaus der Stadt und durch Vermittlung des Bürgermeisters Paolo Dosi, der zuständigen Stadträt*innen und der Gewerkschaften eine Einigung gefunden. Vorgesehen ist die Wiedereingliederung jener neun Arbeiter*innen, die von den Gesellschaften suspendiert worden waren, welche mit der Logistik des riesigen, ganz Südeuropa beliefernden Lagers von Piacenza beauftragt sind. Seit Monaten sorgte ihr Fall für Kontroversen aufgrund des Vorwurfs gewerkschaftsfeindlichen Verhaltens, den Blockaden an den Lagertoren und der brutalen Reaktion des Polizeipräsidiums von Piacenza, sowie letztlich italienweiter Boykottaktionen gegen Ikea.

Die mobilisierten Lagerarbeiter*innen hatten dem Consorzio Gestione Servizi (CGS) [Konsortium für Dienstleistungsmanagement] vorgeworfen, einige Arbeiter*innen zu unzulässig langen Diensten zu zwingen, während anderen die Dienststunden reduziert wurden, sodass deren Lohnzettel mitunter nur mehr 400 Euro betrugen. Die benachteiligten Arbeiter*innen waren genau jene, die auch Mitglieder von SinCobas waren; jener Basisgewerkschaft, die seit Monaten einen Arbeitskampf in den Lagern führt und dabei nicht nur mit den Arbeitgeber*innen aufeinandergetroffen ist, sondern auch mit der Feindseligkeit der konzilianteren Gewerkschaftsföderationen und eines Großteils der politischen Kräfte der Stadt konfrontiert ist, welche die Kampfmittel der Lagerarbeiter*innen ablehnten.

In ihrer Mitteilung verkündet SinCobas dass “innerhalb einer Woche eine Vereinbarung zur Wiedereingliederung der neun Arbeiter*innen, die noch aus dem Ikealager ausgeschlossen sind, gefunden und ein Verhandlungstisch aufgemacht werden soll, um den zu Beginn des Arbeitskampfes vorgelegten Forderungskatalog zu diskutieren. Inzwischen werden die mobilisierten Arbeiter*innen ihre Stellung vor den Betriebstoren aufrechterhalten, in Erwartung einer Unterzeichnung der Gewerkschaftsvereinbarung durch Vermittlung der Stadt Piacenza.“ Allerdings werden nicht alle die Arbeit wiederaufnehmen, da wahrscheinlich einige Arbeiter*innen eine ökonomische Vereinbarung annehmen und ihr Dienstverhältnis bei den Mitgliedern des Konsortiums einvernehmlich beenden werden.

Seit letzen Sommer, als das die Mitglieder des Konsortiums angefangen hatten, die Diensteinteilung zu Ungunsten der SinCobas-Arbeiter*innen zu verändern, hatten die Ikea-Lagerarbeiter*innen mit Unterstützung von Vertreter*innen der Linken Piacenzas – und insbesondere von Rifondazione Comunista [kommunistische Kleinpartei, Anm.d.Übers.] und der Jugend des Network antagonista piacentino [“Antagonistisches Netzwerk Piacenzas”] – wochenlang Streikposten und Blockaden vor dem Lager organisiert. Die Streikposten führten zu harten Auseinandersetzungen; Bilder der wehrlose Demonstrant*innen niederknüppelnden Polizei gingen um die Welt. Im ganzen Land wurden Solidaritätskundgebungen vor Ikea-Filialen gehalten. Die Boykott-Kampagne gegen Ikea wurde in den letzten Monaten auch online ausgetragen, als Dutzende mit den Arbeiter*innen solidarische Personen eine Werbeseite des Unternehmens mit Protesten überhäuften, bis diese geschlossen wurde. Im November war der härteste Moment, als die Arbeitgeber*innen mehr als hundert Beschäftigten mit der Entlassung drohten, nachdem Ikea verlautbart hatte, seine Logistik in andere Lager verlegen zu wollen.

Die Streikposten und Demonstrationen vor dem Lager in Piacenza hielten bis vor einigen Tagen an, um die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Gestern die Ankündigung. Die Auseinandersetzung bei Ikea ist nur der letzte einer Reihe erfolgreicher Kämpfe im großen Logistikpol von Piacenza, wo die Auslagerungen an in Konsortien zusamengeschlossenen Unternehmen weit verbreitet sind und wo ein Großteil der Lagerarbeiter*innen Migrant*innen sind.

 

Quelle: http://www.ilfattoquotidiano.it/2013/01/08/ikea-dopo-manganellate-e-denunce-facchini-verranno-reintegrati/463933

  One Response to “IKEA: Nach Knüppelschlägen und Anzeigen sollen Lagerarbeiter*innen wieder eingegliedert werden”

  1. Wenn Möbel so spottbillig angeboten werden, MUSS ja irgendwer darunter leiden.
    Abgesehen von den illegal abgeholzten Bäumen sind das über kurz oder lang natürlich die Arbeiter.
    Ich hoffe, dass die zu ihrem Recht kommen!

Sorry, the comment form is closed at this time.