Nov 122012
 

Nachdem wir bei den Streikposten und Demonstrationen von Piacenza mitgemacht haben, veröffentlichen wir ein Interview mit Arafat, einem Logistikarbeiter im IKEA-Lager und Protagonist der Kämpfe dieser Tage. Arbeitskämpfe – gegen Ausbeutung und für einen würdigen Lohn – müssen Migrant*innen und Italiener*innen gemeinsam führen. Was also tun, um in Zeiten der Prekarität, Krise und Bossi-Fini-Gesetze Erpressungen zurückzuweisen? Diesen Fragen gehen wir in der nächsten Ausgabe von „Senza chiedere il Permesso“ nach, die in Kürze erscheinen wird.

Was ist deine Einschätzung der heutigen und gestrigen Reaktionen von IKEA?

Mit der Ankündigung, dass 107 Arbeiter*innen gekündigt werden, hat IKEA einen falschen Zug gemacht, denn damit haben sie nun alle Bewohner*innen in dieser Gegend angepisst. Eine solche Ankündigung bedeutet, dass sie weder Verträge noch die Würde der Arbeiter*innen respektieren, dass sie nicht einmal das in der italienischen Gesetzgebung garantierte Streikrecht anerkennen. In wenigen Worten: die Arbeiter*innen, die gestreikt haben, haben ein würdigen Lohn, die Einhaltung der Verträge und Respekt innerhalb des Unternehmens gefordert. Wenn IKEA dies jedoch verweigert, heißt das, dass sie bzw. ihre Organisation weder die Verträge noch die Würde der Arbeiter*innen respektieren. Wir nehmen immer ein bestimmtes Image des Umgangs und der Bezahlung bei IKEA wahr, letztendlich aber wird uns nun das Gegenteil vor Augen geführt.

Was sind eure Pläne, um den Kampf weiter voranzutreiben?

Wir versuchen den Kampf zu verbreitern, nicht nur in Piacanza. Nächsten Samstag werden wir in 20 IKEA-Filialen Flugblattaktionen in Solidarität mit den Arbeiter*innen hier in Piacenza durchführen. Und wenn IKEA schlau ist, müssen sie meiner Meinung nach sehr schnell Schritte zur Wiedereinstellung der Arbeiter*innen setzen.

Wie wichtig ist für diesen Kampf die Teilnahme von Arbeiter*innen, die auch von anderen Betriebsstätten kommen?

Solidarität erweckt den Kampf zum Leben, ohne Solidarität von anderen stirbt der Kampf. Ich ersuche um alle Solidarität, die möglich ist – von allen anderen Städten. Denn heute betrifft es die Arbeiter*innen von IKEA und morgen sind die Arbeiter*innen von woanders dran. Wenn wir zeigen, dass sie es nicht schaffen den Kampf abzuwürgen, wird der Kampf in einem Netz der Solidarität von überall her leben.

Die meisten Arbeiter*innen, die diesen Kampf vorantreiben, sind Migrant*innen. Inwieweit wurde die Lage von Migrant*innen als Erpressungsfaktor ausgenutzt, um den Kampf anzugreifen?

Die Mehrzahl im gesamten logistischen Zentrum sind Migrant*innen, etwa 90%. Und jetzt machen auch einige Italiener*innen mit; es sind drei Italiener*innen, die teilnehmen. Aber wie auch immer, die Italiener*innen müssen sich mit den Migrant*innen bewegen, denn letzten Endes sind beide Arbeiter*innen. Lassen wir es sein, den einen als „Migrant*in“ zu bezeichnen und die andere als „Italiener*in“, denn letzten Endes bringen alle einen Lohn nach Hause und haben eine Familie zu ernähren, egal ob Migrant*in oder Italiener*in. Also, meiner Meinung nach ist dies der Zeitpunkt, sich zusammenzuschließen, Italiener*innen und Migrant*innen, gegen dieses System der „Sklaverei“, das hier in der Logistik herrscht. Es ist notwendig, das wir uns zusammenschließen gegen Ausbeutung sowie gegen den Mangel an Respekt und fehlende Verträge, denn gemeinsam können wir einen angemessenen Lohn und die Würde aller erreichen.

Quelle: http://coordinamentomigranti.org/2012/11/10/sul-lavoro-migranti-e-italiani-devono-lottare-insieme-contro-lo-sfruttamento, Text veröffentlicht am 10.11.2012

  4 Responses to “Arbeitskämpfe müssen Migrant*innen und Italiener*innen gemeinsam führen. Gegen Ausbeutung.”

  1. […] |] Arbeitskämpfe müssen Migrant*innen und Italiener*innen gemeinsam führen. Gegen Ausbeutung. Interview mit einem streikenden Arbeiter. (coordinamentomigranti.org, 10.11.2012) http://ikea.prekaer.at/gegen-ausbeutung […]

  2. […] |] Arbeitskämpfe müssen Migrant*innen und Italiener*innen gemeinsam führen. Gegen Ausbeutung. Interview mit einem streikenden Arbeiter. (coordinamentomigranti.org, 10.11.2012) http://ikea.prekaer.at/gegen-ausbeutung […]

  3. betreffend die ereignisse in piacenza
    ist IKEA leider nicht willens, den solidarischen
    konsumenten auf dessen bitte hin
    zufriedenstellend zu informieren.

    die erste antwort: ein email ohne persönlichen
    absender. nach einigem schönen werbesprech
    der abschluß: „In den vergangenen Jahren
    wurden bei CGS Consortium die Einhaltung  
    des IWAY Verhaltenskodex überprüft
    und dabei wurden keine Verstöße  festgestellt.
    Danke für Ihr Interesse.“
    andere sehen das aber nicht so – wie sonst ist
    es zu erklären, daß die belegschaft in piacenza
    zum streik aufgerufen hat?

    ein zweites nichtssagendes email der IKEA Austria GmbH,
    wieder ohne persönlichen absender, endet mit den worten:
    „… aber Sie werden sicher verstehen, dass wir nicht jedes
    geschäftliche Detail diskutieren können.“
    will ich auch gar nicht.
    ich will wissen, ob es dort, wo ich einkaufe, den arbeitern
    gut geht und die arbeitnehmerrechte eingehalten werden,
    und das ist kein x-beliebiges, belangloses, geschäftliches
    detail. da gibt es gar nichts zu diskutieren.
    da zählt nur ehrliche information. wenn mir diese nicht
    gegeben wird wie im gegenständlichen fall, will ich mit
    meinem geld einen der reichsten menschen weltweit
    nicht noch reicher machen.

    freundlichst
    M.G

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